slideshare: Elearning für selbstorganisierte Lerner (Jochen Robes)
… zur Entwicklung einer diskursiven Mobilität
Didaktische Szenarien und didaktischer Mehrwert des bloggens
am Beispiel des Einsatzes von Weblogs in einem eLearning-Projekt
zur Förderung wissenschaftlicher Schreibkompetenzen unter Nutzung moderner Web 2.0-Werkzeuge
Heiko Idensen
Das „Schreiben im Web 2.0“ („web2write“) bietet sowohl für die Bildungsanbieter als auch für die Lernenden neue mediale und vor allem soziale Möglichkeiten und Chancen:
- die Bildungsanbieter können auf eine Vielzahl von Ressourcen, Materialien, Open-Source-Plattformen und LMS-Systeme zurückgreifen, die er jetzt, im Detail genaustens auf seine spezifische Zielgruppe abgestimmt, zu einem vernetzten, multimedialen und offenem Lernsystem zusammenführen kann
- die anstehenden Planungs-, Forschungs-, Einrichtungs- und Evaluations-Aufgaben liegen bei gegenwärtigen Entwicklungszustand des Internets nicht mehr in einer reinen Content-Erstellung, sondern in einer didaktisch angemessenen Aufbereitung undVerknüpfung von Content im Hinblick auf die speziellen Bedürfnisse der Zielgruppe
- wegen der Offenheit, Komplexität und Dynamik der verwendeten Schnittstellen (Lernoberflächen, auf denen die Lernobjekte angesiedelt sind) und zur Hinführung und Unterstützung des im Web 2.0 allseits geforderten „aktiven Nutzerverhaltens“ ist im Vergleich zu den klassischen linearen Lern-Managemenet-Systemen ein intensivesCoaching vonnöten:
- Einführungs- und Motiovationsphasen zu Beginn der Modul
- (anfangs „live“, im weiteren Verlauf des Projekts immer stärker über synchrone und asynchrone Kommunikations-Kanäle realisiert, wie Chat, Skype, Foren)
- permantente Beratung, Hilfe und Unterstützung durch kompetente Trainer und Lehrer (über synchrone und asynchrone Kollaborationstools … bis hin zur „Fernsteuerung“ bei technischen Problemen)
In einem solchen hochgradig vernetzen „eLearning 2.0“- Environment ist der einzelnen Lernende über die verschiedensten Kommunikationsdienste und konstruktiven Web 2.0-Applikationen, die das Suchen, Generieren, Verknüpfen und Verschlagworten von Inhaltselementen unterstützen (flickr, kollaboratives Bookmarking …) in ein soziales Lern-Netz eingebunden:
Das Lernen im „Elearning 2.0“-Netzwerk vollzieht sich jetzt nicht mehr in einer passiven Rezeption von Wissensbausteinen, die am Ende eines Moduls durch Tests abgefragt werden (wie in den klassischen „Insellösungen“ der 1. Generation von eLearning-Anwendungen, Instruktions-Design in Adaptionen Behavioristischer Lern-Modelle), sondern der Lernende wird durch die flexiblen offenen Interfaces der Web 2.0 – Module dazu animiert, selbst aktiv zu werden:
- zu recherchieren
- Dokumente und Informationseinheiten zusammenzuerstellen
- zu verschlagworten („tagging“), zu verknüpfen, einzuordnen
- Referenz-Dokumente und Beiträge anderer Teilnehmer zu
- interpretieren, kommentieren, zusammenzufassen …
Der Lernende wird, sowohl durch zeitnahe Interventionen der Tutoren, als auch durch die Kommentare der anderen Teilnehmer, dazu angeregt, sich im Verlauf des Projekts sowohl sein eigenes Lehrbuch, seine Referenzen, Beispieldokumente, Programme, Fallbeispiele) als auch seinen Leistungsnachweis als „digitales Portfolio“ selbst zu erstellen -
…und diesen „user generated content“ als treibende soziale und ökonomische Kraft im Web 2.0 zu begreifen.
Solche aktiven Prozesse der Wissensverarbeitung und –aneignung, die über das von Pädagogen viel beklagte „googlen“ und das „copy / paste“ entscheidend hinausgehen, erfordern eine neue dynamische didaktische Methoden der Trainer, die dazu angehalten sind, technologisch mit denselben Werkzeugen ausgerüstet wie die Lernenden, diese anzuregen, zu motivieren – und durch konstruktive Kritik zur Bearbeitung, Revision und Verbesserung ihrer Ausgaben zu motivieren – mit Methoden aus der Gruppenarbeit, dem Fall-basierten Lernen, konstruktivister Lernmodelle.
Die konkreten Aufgaben in den Lernmodulen entsprechen in der Didaktik denhandlungs- und aufgabenorientierten Vermittlungsmodellen der 1980er Jahre), in denen der Lernende problemorientierte Lösungen innerhalb komplexer Systeme in offenen Prozessen entwickeln lernt. (vgl. Synopse didaktischer Modelle nach Jank / Meyer 1994 – online-Quelle: e-teaching.org „Didaktische Modelle“). Es geht nicht mehr um reine Wissens- oder gar Informations-Vermittlung, sondern umKompetenzen, die durch die Merkmale Ganzheitlichkeit, Aufgabenorientierung, Selbsttätigkeit, Ergebnisorientierung, Interessenorientierung und Beteiligung der Lernenden gekennzeichnet sind.
Lernen ist dabei nicht mehr allein als Wissenstransfer von Inhalten, die gestaltet werden müssen, zu betrachten, sondern als eine nachhaltige Kompetenzentwicklung. Deshalb ist Content-Produktion und Produktpflege von Inhalten auch nur ein kleiner Teil dieses Projektes, sondern mit dem extrem hohen Anteil von Personalkosten wird der Schwerpunkt auf die bisher vernachlässigten Faktoren tutorielle Begleitungund prozessoriente Kompetenzentwicklung bei den Teilnehmenden im Rahmen einer ganzheitlichen (integralen) virtuellen Lernumgebung gelegt, in dem die Lernenden sich selbstständig und konstruktiv im Kontext einer lernenden Community praxisrelevante Kompetenzen erwerben durch das bearbeiten praktischer Aufgaben innerhalb komplexer dynamischer virtueller Firmen-, Wissens- und Kommunikationsstrukturen.
Diese operationalen Kompetenzen im Umgang verschiedenster Web 2.0 Anwendungen sind hochgradig anschlussfähig und als Netzwerk-Schlüsselqualifikationenübertragbar auf die Anforderungsprofile der angestrebten Ausbildungs-Berufe; die Einübung dieser kooperativen Lern- und Arbeitsformen trägt schließlich zu einernachhaltig angelegten professionellen Handlungsfähigkeit der Teilnehmenden bei, die bestimmt wird durch Prozessorientierung, praktische Anwendung des Lernstoffes, Kommunikationsfähigkeit und Einübung fachlicher Arbeitsmethoden.
Die kreative Nutzung, Evaluation und Adaption von Web 2.0 Software Tools, PlugIns und Werkzeugen ist integraler Bestandteil sowohl in der Entwicklung, als auch in der Kommunikation, Evaluation und Dokumentation der einzelnen Projekt-Module (nach innen wie auch nach außen), wobei die gezielte Verschränkung und – durch Zugriffsrechte im Detail ge“regelte“ soziale Organisation der Materialien sowie der Bildungsprozesse sowohl nach „innen“ wie auch nach „außen“ (für eine weitergehende Verwendung durch anderen Bildungs-Projekte) – sowohl eine „selbstreflexive“ Methode, als auch Forschungsgegenstand dieses Projekts sind.
Die Oberflächen und Interaktionsweisen der Web 2.0 Anwendungen erinnern teils an virtuelle Spiel und Unterhaltungs-Programme und stellen somit eine starke Einstiegsmotivation dar, die im Verlauf der Module durch hohe Interaktions- und Kommunikations-Anteile und durch gezielte Aufgaben und kleinschrittiges gezieltes Feedback der Tutoren als Lernmotivation und Antrieb zum selbstständigen, selbstorganisierten Lernen eingesetzt werden:
Interaktive Technologien, Multimedia und prozessoriente Web 2.0 Oberflächen steigern den Aktivitätsgrad beim Lernen, digitale Netzwerke und soziale Software befreien die Lernprozesse grundsätzlich von örtlichen und zeitlichen Zwängen und starren institutionellen Gegebenheiten (informelles Lernen) und steigern somit, gerade für die hier angesprochenen benachteiligten Zielgruppen, die Chance einesselbstorganisierten Wissenserwerbs, die vielfältigen sozialen Kooperationsweisen in CSCW-Tools, Wikis, Weblogs und offenen Lernmanagement-Systemen ermöglichen soziales Lernen und kommunikations- und Arbeitsweisen in virtuellen Gemeinschaften, eine Grundkompetenz die für verschiedenste Arbeits- und Berufsfelder der „Informationsgesellschaft“.
Nicht zu unterschätzen sind – geradeunter den neuen Bedingungen der “Massenuniversitäten” nach dem Bologna-Prozeß – auch die emotionalen und persönlichen Befindlichkeiten der TeilnehmerInnen, die durch ein feinmaschiges Netz von E-Tutoring, E-Moderation und E-Coaching, nebst gezielter fachdidaktischer Betreuung, „aufgefangen“, ja im besten Sinne einer „emotionalen Intelligenz“ letztlich sogar für die Lernprozesse selbst wiederum nutzbar gemacht werden – dabei reichen die eingesetzten Mittel vom persönlichen Lerntagebuch, Einzelgesprächen, Einzelcoaching, Gruppendiskussionen, Konfliktmanagement bis hin zu motivationssteigernden Aufgabestellungen, die auch spielerische und entdeckend- forschende Aspekte beinhalten und den Lernenden ein hohes Maß an Interaktion mit den Lerninhalten, als auch das Einbringen eigener, persönlicher Anliegen und Bedürfnisse ermöglicht
Da in den Web 2.0 basierten Lernoberflächen nicht mehr das einzelne Dokument im Zentrum der Aufmerksamkeit steht, sondern vielmehr die Aktivität der Nutzer, könnte man davon sprechen, dass beim elearning 2.0 sich jetzt endlich der Paradigmenwechsel in medienunterstützenden Lernkonzepten vollzieht, der sich in der Pädagogik schon im Laufe der 90er Jahre durchsetzte: von den Lehrer- bzw. Material-Zentrierten Lernänsätzen hin zu kontruktiven Lernprozessen, bei denen der Lernende selbst eine zentrale und steuernde Rollle einnimmt.
Der Vorteil solcher Systeme liegt in den Möglichkeiten einer optimalen Anpassung an die speziellen Bedürfnisse und Fähigkeiten des einzelnen Lerners, der jetzt ganz spezifische Kompetenzen erwerben kann, die für die Studierenden im weiteren Verlauf ihrer wissenschaftlichen Forschung und Praxis wichtige Schnittstellenkompetenzen in einer Vielzahl von Berufsfeldern darstellen.
Zusätzlich ermöglichen viele der web 2.0 tools eine Wiederverwendung und Aufbereitung der während des Studiums erarbeiteten Dokumente (Studienarbeiten, Referate, Präsentationen, Artikel, Forschungsberichte). Ein verstärkter Einsatz von ePortfoliosunterstützt diese Art des Umgangs mit Dokumenten, die in Auszügen, angereichert mit Reflexionen der Studierenden und fachlichem wie auch methodischem Feedback der Lehrenden, als work-in-progress eine stetig anwachsende “Mappe” darstellen, die die Lernprozesse der Studienrenden dokumentiert – und als Kompetenzprofil etwa auch Bestandteil von Bewerbungs-Portfolios werden.
Solche neuen Formen des vernetzten wissenschaftlichen Arbeitens mit den unterschiedlichen Kommunikations-, Kollaborations-, Editier- und Feedback-Tools im Umfeld des Web 2.0 erfordern ein hohes Maß an Selbstständigkeit, Motivation und vor allen auch dezitierte Methodenkompetenzen bezüglich hypermedialer und vernetzter Lern- und Arbeitsumgebungen, so dass es unbedingt nötig erscheint, dass im Rahmen des Studiums der Allgemeinen Berufsqualifizierenden Kompetenzen (ABK) Module zum wissenschaftlichen Arbeiten speziell mit diesen web 2.0 tools angeboten werden.
Als eine der, wenn nicht die, Schlüsselkompetenz gilt in diesem Zusammenhang immer noch das Schreiben, das auf den verschiedensten Ebenen sowohl die Aneignung, Durcharbeitung und Festigung fachlicher Inhalte “prozessiert”, als auch auf einer zweiten Ebene im Verlauf des Studiums – von den ersten Seminararbeiten bis hin zur Abschlußarbeit - die Herausbildung von Vorlieben, Interessen und Spezialgebieten der Studierenden “mit sich führt”: die Entwicklung eines Forschungs- und Interessenprofils, auf dessen Basis sowohl der Anschluss an die wissenschaftliche Community erfolgt (ggf. mit Promotion …), als auch die Erschließung von Berufsfeldern …
Im Gegensatz zu den kollaborativen Wikis, die eher für eine gemeinschaftlicheSammlung und Aufbereitung von Wissensfeldern geeignet sind, sind die Weblogs in den unterschiedlichsten Verwendungszusammenhängen als ein ganz subjektives dynamisches “Informations-Verarbeitungs-System” das zentrale Tool:
- sowohl für die Aneignung wissenschaftlicher Arbeitsformen und Methoden, als auch für die Erarbeitung, Durchdringung, Kommentierung und kritischer Beurteilung fachlicher Inhalte
- als individuelles Lerntagebuch, das in der Gesamtheit nicht öffentlich sein muss, aber in bestimmten Gruppen-Prozessen durchaus auch “geteilt” werden kann, mit den Möglichkeiten des gegenseitinge Feedbacks (durch Kommentare und Trackback) führt es die Funktion eines wissenschaftlichen Journals weiter: es nimmt Vorlesungs- und Seminarmitschriften auf, Vorbereitungen zu Haus- und Seminararbeiten, Anmerkungen zu laufender Lektüre, ggf. mit Zitaten. Aber eben, in der Tradition eines Tagebuchs vor allem auch persönliche Stellungnahmen, Kommentare, Kritiken, – ebenso wieemotionale Erlebnisse, Unverstandenes und vor allem auch Fragen wie weiterführende Gedanken, Anregungen, Buchtitel, Webbseiten, denen noch nachgegangen werden muß, Begriffe, die neu sind, Entwürfe, Gliederungen für eigene Texte …
“Weblogs sind autobiographische Dokumentationen in chronologischer Form.” (Social Web, S. 56)
Zunächst erscheint ja ein “öffentliches Tagebuch” eine paradoxe Angelegenheit zu sein, aber durch das Einspeisen der inneren Gedankenwelt des Lernenden in ein Netzwerk mit abgestuften Zugangsberechtigungen, geht es genau um die Schnittstelle zwischen der “inneren Gerdankenwelt!” der Lernenden mit den äußeren Bedingungen, Anforderungen, didaktischen Strukturen, Aufgaben, Prüfungen, Medienströmen. Und so wie die Blogs genau in dem Zwischenraum zwischen den klassischen SENDERN, den “Massenmedien” (wie Zeitungen, Fernsehen, Film …) und der Innenwelt eines (oder mehrer) EMPFÄNGER sich abspielen, vermitteln die ePortfolios zwischen dem LERNENDEN (als System!) und dem System der Lehre, der Wissenschaft, der Institution, letztlich der Gesellschaft:
ePortfolios benutzen insofern das klassische Paradigma des Bloggens / Tagebuchschreibens, eine eigene “Stimme” zu entwickeln, und zwar nicht durch eine Versenkung nach Innen, sondern gerade in einer Auseinandersetzung, einer Reibung mit der Außenwelt – als prozeßhafte Begleitung und Reflexion des gesamten Ausbildungsprozesses (von der Schule, über das Studium, ggf. eingeschlossenen Praktika … bis hin zu Projekten im Beruf …)
Um diese vielfältigen Funktionen zu unterstützen, bieten komplexe ePortfo-Lösungen (wie Elgg oder Mahara) sowohl Schnittstellen zu Lernplattformen, als auch Elemtente aus Community-Bildenden Services (wie Facebook, Xing, StudiVZ) an, zum networking mit Freunden und Kollegen, zur Gruppenbildung etc. an.
- Lehrveranstaltungsbegleitende Blogs, die hauptsäch vom Lehrenden ausgehen, aber ggf. ergänzt und kommentiert werden können von den Studierenden): ein solcher “Kursblog” ist im Gegensatz zum ePortfolio eher ein dynamisches Community-Werkzeug, eine Schaltzentrale für die Koordination von Terminen und Abläufen (Projektmanagement) – ebenfalls kann das Zirkulieren von Materialien hierüber erfolgen: Literturhinweise, kommentierte und zu kommentierende Linklisten, aber auch Aufgabenstellungen werden hier verteilt und kommuniziert
- eine Stufe weiter in der Skala der Beteiligung liegen gemeinschaftliche Gruppenblogs, in der die Kommentarfunktion keine reine Zugabe ist, sondern in dem es zentral um die Pflege eines gemeinschaftlichen Diskurses geht: intensive Diskussionen zu den behaldelten Themen, ggf. moderiert vom Lehrenden oder von Tutoren; alle Beteiligten haben das Recht, Diskussions-Threads zu beginnen – und in bestimmten Spezial-Foren können die Studierenden ebenso die Moderation übernehmen.
(Diese Einteilungskriterien unterschiedlicher Blog-Formen soll keineswegs festschreibend und abgrenzend sein, sondern lediglich verschiedenen Funktions- und Gebrauchsweisen deutlich machen. In der Praxis werden zumeist Mischformen verwendet, die sich nach dem Einsatzszenario des Blogs richten. Wie verschieden hier die Ansätze sein können zeigt z.b. die lebhafte und kontroverse Diskussion des WIkipedia-Artikels zum Thema “Blog” (http://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Blog#Typologie), in dem die “Blog-Typologie” gegliedert ist nach Inhalt (Artblogs bis Wissenschafts-Blogs, ein Artikel der noch nicht geschrieben ist!) und nach Betreibern (Privatpersonen mit privaten Interessen, Personen in institutionellem Auftrag – oder Körperschaften Corporate Blogs); “Social Web” (S. 60) ergänzt diese Kategorisierung noch: ”Nach eingestellten Medien (Text-. Foto-, Video-, Audio- und Linkblogs) nach demMedium, auf dem sie laufen (etwa Moblogs auf mobilen Kommunikationsgeräten) – und stellt zusätzlich noch die Kategorie “Suchmaschinen und Metablogs” auf, die – zusammen mit den “systemischen Funktionsweisen” (wie Posting, permallink, Track- und Pingback, Tagging, Kategorien, Feed und Blogroll) erst denGesamtzusammenhang der Blogs bilden, die Blogosphäre: also die Gesamtheit alles Blogs und die Verbindungen und Kommunikationsweisen untereinander, die ja die wesentliche Kraft sind – und die auch gerade für Lernprozesse und Lern-Umgebungen entscheidende Vernetzungs-Funktionen bieten; so ermöglichen etwa RSS-Feeds (“the new killer App for Educators”, RIchardson, 2006: 76, zit, nach “E-Learning 2.0″, S. 77 ff; siehe auch: http://www.infotoday.com/MMSchools/jan04/richardson.shtml) eine Art “Umkehrung” des Sender-Empfänger-Modells betreffend der Distribution von Inhalten, insofern als vom Nutzer ganz gezielt Inhalte “abonniert” werden können, so dass automatisch neuste Artikel oder Mediendateien downgeloaded werden. So kann sich der Nutzer z.B. aus podcasts sein eigenes “Rundfunkprogramm” mittels sog. Aggregatoren zusammenstellen – gerade für die neuen Paradigmen von “eLearning 2.0″ (etwa dem Personal Learning Environment, kurz PLE) eine grundlegende Funktionalität, die sich etwa für volllkommen personalisierte Suchoperationen verwenden läßt, in der der Lernende die Kategorien fein einstellen kann. Andererseits können aber auch ganz heterogen verteilte Informations-Cluster (etwa auf diversen Servern verschiedenster web 2.0 tools) per Feedreader – für ein Projekt / Seminar zusammengeführt werden , auch können auf diese Art und Weise verschiedene weblogs untereinander vernetzt werden …
http://esciencenews.com/ stellt automatisch per rss-feed Wissenschafts-News zusammen, ohne jeden Editor und präsentiert sie wie eine Zeitung … )
Bezogen auf das Thema des wissenschaftlichen Schreibens stellen die Blogs genau die Medienkonstellation dar, die eine Fortsetzung der ephorischen kreativen Methoden der 80er Jahre, in denen Schreibgruppen, Schreibkurse, Schreibbüros und Schreibberatungen allerortens aus dem Boden spriesten, um flächendeckend unter Beweis zu stellen, dass jedermann und jede Frau ein Künstler, ein Schriftsteller sei, in das “Social Web” zu ermöglichen:
” In gewisser Weise repräsentieren Blogs das Web, wie es von Anfang an gedacht war: ein Massenmedium, kontrolliert durch die Massen, in dem jeder gehört wird, der etwas zu sagen hat und den Schneid, es zu sagen.” (Meet Joes Blog, Time Magazine, 13. Juni 2004, zit. nach Medienrevolution, S. 133)
Ein weblog stellt nur für das Selbstlernen von kreativen und / oder wissenschaftlichen Schreibweisen das ideale Medium dar:
in der Tradition der “Writing across the curriculum” (WAC) – Bewegung in Großbritannien und den USA der 60er Jahre wird der Zusammenhang zwischen Schreiben und Lernen in konkreten Übungen und Aufgaben ausgenutzt in einem Konzept des “Schreiben(d) lernen” (Bräuer, 2004), in dem die produktiven Funktionen des “Schreiben(s) als Wahrnehmungs und Denkhilfe” (Berning 2002) als Potential für die Entwicklung grundlegender wissenschaftlicher Kompetenzen genutzt wird:
” ‘Writing to learn’ [...] bezieht sich allerdings nicht nur auf die Selbstverständigung des Schreibenden, sondern ebenso auf das Miteinander von Lernenden, ihren Austausch über individuell Wahrgenommenes und Nachgedachtes. Im Schreiben füreinander und miteinander wird an der Schärfung des eigenen Wahrnehmens, der Deutung des Wahrgenommenen und nicht zuletzt an der schriftlichen Darstellung des Erkannten in den jeweiligen Genres einer Disziplin gearbeitet. Hier findet Peer-lernen durch Schreiben statt, das kritisches Denken und adäquaten Sprachgebrauch immer wieder auf authetische Weise motiviert und dadurch langfristig das Handeln des Einzelnen nachhaltig verändert.” (Gerd Bräuer im Geleitwort zu Girgensohn, 2007)
Als “zentrales fächerübergreifendes Anliegen” dieses Konzepts einer (in Deutschland zumindest) relativ neuenpragmatischen akademischen Schreibdidaktik benennt Bräuer die Schlüsselkompetenz einer “diskursiven Mobilität der Studierenden”:
“- Es geht zunächst darauf ein, wie Schreiben, Lernen und Denken im seminaristischen Unterricht miteinander verbunden sind.
- Dann zeigt es, in welchen Phasen sich Schreibkompetenz entwickelt und an welchen Punkten im Studium am meisten Probleme mit dem Schreiben auftauchen.
- Es informiert über die wichtigsten traditionellen und neueren didaktischen Genres (die Alternativen zur traditionellen Seminararbeit darstellen).
- Es gibt Empfehlungen dafür, wie das Schreiben im seminaristischen Kontext optimiert werden kann und führt dafür eine Reihe von Optionen auf, die den Seminarleiterinnen und Seminarleitern zur Verfügung stehen.
- Es gibt einen Überblick über die wichtigsten Phasen bzw. Schritte der wissenschaftlichen Textherstellung
- Und fügt schliesslich einige Anmerkungen zur Anleitung von Abschlussarbeiten an.”
Quelle:
Dossier : Wissenschaftliches Schreiben und studentisches Lernen
www.afh.uzh.ch/instrumente/ dossiers/WissSchreiben_01_10.pdf
Mediabird ist ein Zusatzmodul für E-Learning-Plattformen.
Es kombinbiert Features, die man aus Foren, Wikis und Blogs kennt …
und stellt einen online-Zettelkasten zur Verfügung für kollaborative Tetxproduktion mit umfangreichen Features: Randnotizen, Querverweisen, Fragen etc.
Das System, was wir uns schon immer gewünscht haben?
Probiert es aus:
Facebook-Applikation (kostenfrei!)
eine kostenlose online-Demo-PLattform: http://www.mediabird.net/de/users/login
Mediabird in moodle: http://www.mediabird.net/de/about/moodle_plugin (Lizenzgebühren)
web2write
Förderung wissenschaftlicher Schreibkompetenzen unter Nutzung moderner Web 2.0-Werkzeuge
Im Vergleich zum amerikanischen Hochschulsystem ist die Schreibdidaktik und Schreibberatung für das wissenschaftliche Schreiben in Deutschland immer noch sehr wenig ausgebaut, obwohl ein Qualitätsverlust in fast allen Bereichen schriftlicher Studienarbeiten in den unterschiedlichen Fächern immer wieder beklagt wird. Während die veränderten Anforderungen und Strukturen im Zuge des Bologna-Prozesses diese Tendenz verstärken, gilt Schreiben als Schlüsselqualifikation, deren Vermittlung ein neuer, erhöhter Stellenwert zukommt. In Koppelung mit verpflichtenden Lehrveranstaltungen im Bereich der Vermittlung von Techniken Wissenschaftlichen Arbeitens (TWA) sollen vorliegende didaktische Modelle und digitale Inhalte fortentwickelt werden unter Nutzung verbessert Übungen notwendig: vom lokalen Schreibraum zu vernetzten kollaborativen Schreibumgebungen eine qualitätsreiche Ein gezielter Einsatz von Recherche-, Schreib-, Annotations-, Kommunikations- und Feedbacktools, wie sie im Web 2.0 verfügbar sind, wirkt dieser Tendenz entgegen.
web2write entwickelt von einem fächerübergreifenden Blended-Learning-Konzept ausgehend ein Online-Tutorial für wissenschaftliche Schreibkompetenzen im gemeinschaftlichen online-Selbststudium mit qualifiziertem Feedback, Coaching, prozessbegleitendem Lernportfolio und Lernzielkontrolle. Wissenschaftliches Schreiben innerhalb offener web 2.0 Interfaces wird als ein aktiver Prozess der Wissensaneignung erfahren – als eine Schlüsselkompetenz, die den Anschluss an die wissenschaftliche Community und berufsrelevante Arbeitsfelder schafft.

Bildquelle: http://www.flickr.com/photos/virtue_fern/ / CC BY-NC-SA 2.0
nachdem endlich wie durch ein wunder einige schon längst verloren gegangenen texte wieder ganz unverhofft im netz aufgetaucht sind kann ich endlich ein paar der wiedergefundenen texte nehmen und in einer neuen kollaborativen text-umgebung zur annotation und kommentierung frei geben!
Die unbedingte Universität (Derrida & co KG)
Einfuehrung in eine wahre Geschichte des Internet (copy & paste)
Über das Elend im Studentenmilieu
endlich können die zettelkästen von luhmann & arno schmidt ausgeschüttet werden!

Bildquelle: http://www.flickr.com/photos/virtue_fern/ / CC BY-NC 2.0
seit dem berühmt/ berüchtigtem text *der tod des autors* (eine sehr schöne *ausgabe* findet sich vom *Anonymen Gast* gepostet auf er tEXtMACHINA-Webseite, begleitetend zum Kurs “Einführung in die Literaturwissenschaft” im Wintersemester 2003/04 am Deutschen Seminar der Universität Zürich) von roland barthes aus dem jahre 1968 (!) geistert dieser virus durch das netzt … und das rumoren und krachen dieser diskursfetzen wird hoffentlich eine antwort aus dem netz zu dem oberflächlichen *Google-Copy-Paste-Syndrom* buch von stefan weber generieren, das am phänoment kleben bleibt und nicht die mechanismen bloß legt, die hinter dem massenweisen copy&paste operationen liegen …
… sich selbst zitieren darf man doch ruhig, oder nicht? copy/paste!
Medientheoretische Mythenbildungen (Medium=Massage, Klicken &
Browsen = Schreiben, Jeder = Autor, es gibt keine
Software …) brechen sich in den alltäglichen Gebrauchsweisen neuer
Medien ebenso wie in den sozialen und kommunikativen Praktiken der Netzkultur (Mailinglisten, Freie Software, Codepoetry, Ascii-Art, kollaborative Schreibumgebungen …)
Ja, Ja. Schon Nietzsche versuchte, mit der Kugelkopfschreibmaschine zu denken: “Das Schreibzeug arbeit mit an unseren Gedanken.” Der Mythos ist eine Aussage. Der Rest ist eigentlich bekannt und wird immer wieder aufgekocht: die technischen Medien vollziehen die Dekonstruktion sämtlicher Subjekt-, Autor- und Diskurs-Funktionen, Computer und Netzwerke werden zur Basis Kulturtechnik für virtuelle Arbeit, virtuelle Kulturen und Gesellschaften. Der Philosph sitzt mit seinem Laptop oben auf dem Berg und denkt, das seinen alles nur Metaphern, während der Medienwissenschaftler die Neuerscheinungen zum Thema auf seinem Desktop ordnet und vergeblich versucht, screenshots aus “Matrix reloaded” in seinen neusten Essay einzubauen.
Eine Umkehrung der Perspektive aus dem ’Inneren’ der Informationstechnologie heraus ist ebenso denkbar: Hypertext, Multimedia und Netzwerke nicht als Rezeptionsphänomen, sondern als kulturelle diskursive Praxis:
Avantgarde als Software zu betrachten (und zu benutzen) , Datenbanken als symbolische Formen … jedes kulturelle Objekt auf die eine oder andere Art und Weise einen Palm Pilot (Manovich) oder ein Suchlauf in Google zu betrachten.
„mp3 is free, why not txt?“ (fragt Sebastian Lütgert alias textz.com.
… die nach-medialen virtuellen Gerätschaften und Environments
produzieren und prozessieren Informationen, Wahrnehmungen, Erfahrungen und spiegeln, erweitern, verwerten und verwerfen die Subjektivitäten von Userinnen … werden zu “Sozialer Software“. Digitale Diskurse: Netzwerkeffekte, Intertexte.
An den Schnittstelle arbeiten: die alten Fragen (wer spricht, wer kontrolliert die Zirkulation von Ideen, die Links …?) neu bearbeiten:
vernetzte künstlerischen Praktiken, die auf der Basis von Freier
Software im weitestem Sinne laufen, ermöglichen Praktiken jenseits
globalisierter Verwertungszusammenhänge und schliessen an subversive
avantgardistische Entwendungsstrategien an:
Junggesellenmaschinen, soziale Plastiken, offene Kunstwerke,
inter-textuelle Schreibpraktiken, situationistisches Umherschweifen,
Neubesetzungen von öffentlichen und privaten Räumen (flash mobs), Sabotage, Fehlschaltungen, soziales Hacken, opensource und open-content …
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